Planzenlampen im Test
aus WDR Sendung "Servicezeit Wohnen & Garten 25.1.2007
Verkäufer im Baumarkt zu fragen, bringt oft nicht viel. Sie können auch nur das empfehlen, was ihnen die Industrie in die Regale legt. Dabei sind ausgewiesene Pflanzenlampen gar nicht unbedingt nötig. Im Gegenteil: Bei unseren Recherchen haben wir sogenannte Pflanzenlampen gefunden, die teuer verkauft werden und ihre vermeintliche Wirkung mit einem billigen Trick nur vortäuschen.
Servicezeit: Wohnen & Garten hat sich der Mithilfe zweier Experten versichert. Dieter Jansen hat für das Angebot von Pflanzenlampen auf dem Markt begutachtet. Er ist Ingenieur und Gartenbau-Experte. Seit 30 Jahren hat er sich auf Fragen der richtigen Belichtung von Pflanzen spezialisiert.
Burkhard von Elsner, ebenfalls Ingenieur, arbeitet an der Universität Hannover im Fachbereich Biosystem- und Gartenbautechnik. Er hat verschiedenste Lampen auf ihre Eignung zur Pflanzenbelichtung geprüft, indem er sie wissenschaftlich vermessen hat und zwar mit einem Spektralfotometer. Wir wollten damit herausfinden, ob marktgängige Pflanzenlampen wirklich sinnvoll sind und ob es auch Alternativen gibt. Einige Ergebnisse waren überraschend, andere schockierend.
Unterwegs mit Dieter Jansen
Mit Dieter Jansen sind wir zunächst einkaufen gegangen und waren erstaunt, wie klein das Angebot an Pflanzenlampen ist. Doch Dieter Jansen hat auch ganz normale Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren eingekauft, denn zur Belichtung von Pflanzen eigenen sich mehr Leuchtkörper als man denkt.
Nichts für Pflanzen: Glühlampen und Halogenlampen
Herkömmliche Glühlampen und Halogenlampen allerdings sind vollkommen ungeeignet. „Die verschiedenen Typen der Allgebrauchsglühlampen und der Hochvolt-Halogenglühlampen, auch der Niedervolt-Halogenglühlampen scheiden als Pflanzenlampen aus“, erklärt Dieter Jansen und dreht eine Glühlampe prüfend in seinen Händen, „weil sie Temperaturstrahler sind, und praktisch 98 Prozent Wärme abgeben, nur ungefähr 2 Prozent Licht.“ Auch geben sie – und das können wir Menschen nicht sehen – das falsche Licht ab, nämlich vor allem orange-rotes. Pflanzen brauchen aber auch viel blaues Licht.
Ein kleiner Skandal: Gefärbte Glühlampen
Als nächstes haben wir Lampen begutachtet, die es in vielen Baumärkten zu kaufen gibt und die explizit als Pflanzenlampen beworben werden. Ihr Glaskolben ist weißlich, bläulich gefärbt, und doch sind es letztlich nur Glühbirnen, was uns Dieter Jansen überraschend so erklärt: „Dann hat sich die Industrie natürlich etwas überlegt und hat gesagt, dann bringen wir in Glühlampen ein Edelgas rein oder ein seltenes Metall und hat Lampentypen rausgebracht, die sich meistens durch einen leicht blauen bis dunkelblauen Glaskörper auszeichnen“, und, „das ist aber letztendlich nur ein Versteckspiel, auch solche Lampen sind Glühlampen, auch hier beträgt die Lichtausbeute ungefähr nur 3 Prozent.“
Pseudo-Pflanzenlampen
Sind sogenannte Pflanzenlampen tatsächlich reine Mogelpackungen? Wir haben auch Burkhard von Elsner an der Universität Hannover gefragt, der für uns eine im Baumarkt erworbene, teure, blaue Lampe mit dem Spektralphotometer getestet hat. Burkhard von Elsner bestätigt die Einschätzung von Dieter Jansen: „Dies ist eine eingefärbte Glühlampe, sie ist blau eingefärbt und das Ergebnis ist, dass das blaue Licht noch stärker weggefiltert wird. Das Verhältnis von Blaulicht zu Rotlicht ist noch ungünstiger, das heißt diese Art der Glühlampe ist überhaupt zu vermeiden: Sie ist noch schlechter für Pflanzenbelichtung geeignet als eine normale Glühlampe.“
In drei von vier Baumärkten haben wir solche Pseudo-Pflanzenlampen gefunden. Sie sind alle sehr teuer: 4,99 Euro bis 6,99 Euro. „Das sind letztlich Energiefresser, die für die Pflanze keinerlei positive Auswirkungen haben, außer dass die Pflanze lang wird“, sagt Dieter Jansen. Wenn Pflanzen zu wenig blaues Licht bekommen, dann reagieren sie mit extremem Längenwachstum – die Stängel werden immer länger, die Blätter vergilben mit der Zeit. Der Fachmann spricht vom „Vergeilen“ der Pflanzen. Nur mit einem ausgewogenen Lichtspektrum wachsen Pflanzen üppig und dicht. Dieter Jansen erzielt das bei sich zu Hause mit modernen Leuchtstoffröhren.
Leuchtstofflampen sind zur Pflanzenbelichtung geeignet
Leuchtstoffröhren haben zudem den Vorteil, dass sie sehr dicht über die Pflanzen aufgehängt werden können, weil sie keine Wärme abgeben. Auch haben sie genügend viel Blauanteil. Burkhard von Elsner hat für uns das Lichtspektrum einer im Handel ausgewiesenen Pflanzenleuchtstoffröhre geprüft. Erstes Ergebnis: Ihr Spektrum sieht tatsächlich vollkommen anders aus als das der Glühlampen: „Diese Lampe kann man durchaus kaufen, weil sie ein ausgeglichenes Spektrum hat. Jedoch ist zu bedenken, dass es heute modernere Leuchtstofflampen gibt.“ Das Lichtspektrum der Pflanzenlampe hat Burkhard von Elsner als sehr gut beurteilt. Allerdings handelt es sich bei den marktgängigen Pflanzenleuchtstoffröhren um Modelle, die bereits seit 30 bis 40 Jahren auf dem Markt sind, und es gibt längst moderne energiesparende Typen, die obendrein noch preiswerter sind. Auch hier haben wir ein marktgängiges Modell exemplarisch testen lassen und wir fanden das Ergebnis wieder überraschend: „Diese Leuchtstofflampe würde ich zur Pflanzenbelichtung empfehlen“, kommentiert Burkhard von Elsner das Ergebnis, „und sie hat ein ausgeglichenes Spektrum, und darüber hinaus bietet sie durch eine hohe Energieeffizienz einen guten Nutzen.“
Dieter Jansen empfiehlt Leuchtstoffröhren mit den Lichtfarben 830 oder 840. Diese Kennziffern sind auf der Verpackung aufgedruckt.
Energiesparlampen - ebenfalls eine gute Alternative
Besonders energieeffizient sind vor allem zusammengefaltete Leuchtstoffröhren, besser bekannt unter dem Namen Energiesparlampen. „Also grundsätzlich ist es so, dass die Energiesparlampen geeignet sind zur Pflanzenbelichtung“, sagt Dieter Jansen, „grundsätzlich gilt das für alle Typen, weil sie als Drei-Banden-Leuchtstofflampen hergestellt werden und daher die blauen, roten und grünen Spektralbereiche besitzen.“
Um das zu überprüfen, haben wir verschiedene Energiesparlampen testen lassen, solche, die als Pflanzenlampen angeboten werden und auch eine herkömmliche. Bei allen war das Lichtspektrum für Pflanzen geeignet. „Mein Fazit ist“, erklärt Burkhard von Elsner, „dass wir in keinem Fall eine Glühlampe oder eine Halogenlampe verwenden sollten für die Pflanzenbelichtung, sondern Leuchten und Lampen, die ein ausgeglichenes Spektrum liefern, wie zum Beispiel Energiesparlampen oder Leuchtstofflampen.“
Metallhalogendampflampen – der Rolls Royce unter den Pflanzenlampen
Und wer dann doch lieber viel Geld für etwas Besonderes ausgeben will, der kann sich auch den „Rolls Royce“ unter den Pflanzenlampen besorgen. „Das ist eine Metallhalogendampflampe, eine Hochdruckentladungslampe, die kleinste der Welt“, schwärmt Dieter Jansen und zeigt uns das Designer-Stück. Wegen ihrer extrem hohen Lichtstärke wirkt sie auch weit entfernt von den Pflanzen. Der Preis liegt mit 200 bis 450 Euro pro Stück allerdings noch sehr hoch.
LED – die Zukunft naht
Der neueste Trend auf dem Lichtmarkt sind LEDs. LED-Leuchtkörper wandeln 99,9 Prozent des elektrischen Stroms in Licht um. Derzeit sind sie allerdings noch zu lichtschwach, um auf Pflanzen zu wirken. Aber sie sind energieeffizient und sehen auch klasse aus.
Dieter Jansen hat uns dann noch praktische Tipps mit auf den Weg gegeben, die wichtigsten in aller Kürze:
Praktische Tipps zur Pflanzenbelichtung
- Die normale Raumbeleuchtung reicht in der Regel im Winter für Pflanzen kaum aus. Deshalb ab September ein bis Stunden täglich belichten. Die Belichtung bis Dezember oder Januar auf fünf bis sechs Stunden pro Tag steigern. Zum April hin wieder auf eine Stunde pro Tag absenken.
- Wichtig, dass die Pflanzen nicht nur das richtige Licht, sondern auch genug Licht bekommen. Deshalb rät Dieter Jansen bei Energiesparlampen zu mindestens 15 Watt Lichtstärke.
- Lampen so nahe wie möglich über die Pflanze aufhängen. (Hitzeentwicklung beachten)
- Lampen in einen Reflektor einsetzen. Das Licht wird dann gezielt auf die Pflanze gelenkt.
- Bei Leuchtstoffröhren rät Dieter Jansen zu Typen, die energiesparend sind und ein angenehmes Licht verbreiten. Auf der Packung ist die Lichtfarbe als Ziffer vermerkt. Dieter Jansen empfiehlt 830 (warmweiß) oder 840 (neutralweiß). Ein „R“ hinter der Lichtfarbenkennzahl besagt, dass die Lampe rund 30 Prozent mehr Licht nach unten abstrahlt.
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